Die folgende nutzerfreundliche Studienzusammenfassung von Johanna Lang ist unter dem Titel „Übersichtsarbeit zu gemeinwesensorientierten Interventionen für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen mit Schwerpunkt auf dem Erlernen von instrumentalen Aktivitäten des täglichen Lebens und auf der Verbesserung des Wohlbefindens“ in der Zeitschrift ergoscience (ergoscience 2026; 21(1): 32–33) veröffentlicht und wurde dem DVE freundlicherweise vom Schulz-Kirchner Verlag für die EBP-Datenbank zur Verfügung gestellt. Die kritische Beurteilung mittels AMSTAR-2 erfolgte durch den DVE. Zum Einstellen in die Datenbank musste der DVE redaktionelle Änderungen vornehmen. Die Original-Studienzusammenfassung, wie sie in der ergoscience erschienen ist, können Sie über https://www.skvshop.de/de/ beziehen.
Der Begriff Serious Mental Illness (SMI) bezeichnet schwere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolare Störungen oder schwere Depressionen (Evans et al., 2016). Weltweit sind über 500 Millionen Menschen im Laufe ihres Lebens betroffen (D’Amico et al., 2018). SMI geht oft mit funktionellen Einschränkungen einher, welche die selbstständige Alltagsbewältigung wie Haushaltführung, den Umgang mit Finanzen oder Medikamenteneinnahme erschweren (Gonzales et al., 2022).
Die Literatur unterscheidet meistens zwischen basalen Aktivitäten des täglichen Lebens (BADLs) wie Waschen und Anziehen und instrumentalen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADLs), die Planung, Organisation und Problemlösung erfordern (Edemekong et al., 2025).
Zusätzliche Komorbiditäten können die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden beeinträchtigen (Launders et al., 2022). Außerdem können weitere Faktoren Einschränkungen in der Alltagsbewältigung verstärken und sich negativ auf Autonomie, Lebensqualität und soziale Teilhabe auswirken. Hierzu zählen beispielsweise soziale Isolation infolge von Stigmatisierung (Thornicroft et al., 2022; Torales et al., 2023), kognitiven Beeinträchtigungen (Bjørkedal et al., 2023; John et al., 2022), strukturelle Barrieren wie Armut (Chikwava et al., 2022; Vinson et al., 2020) oder der Wegfall von sozialer Unterstützung (Phillips et al., 2023; Wirsén et al., 2020).
In den letzten Jahrzehnten erfolgte ein Wandel hin zu gemeindenahen, personzentrierten Versorgungsmodellen (Dunlop & Pols, 2022; Pernice et al., 2024). Angesichts der steigenden SMI-Prävalenz wächst der Bedarf an Interventionen im Lebensumfeld, die alltagsnahe Lernprozesse ermöglichen und Unabhängigkeit, Autonomie sowie aktive Teilhabe im Gemeinwesen fördern (van Genk et al., 2023). Studien zeigen, dass Personen mit SMI, die selbstständig für sich sorgen, bedeutungsvollen Betätigungen nachgehen und soziale Inklusion erleben, einen besseren psychischen Zustand und ein höheres Wohlbefinden aufweisen (Bjørkedal et al., 2023; John, A. et al., 2022). Ein Großteil der bisherigen Literatur konzentriert sich auf die Diagnostik sowie auf defizitorientierte Erklärungsansätze zur IADL Performanz bei SMI (Romero-Ayuso et al., 2021; Synovec et al., 2023). Die meisten Interventionsstudien zielen auf die Verbesserung der Kognition ab, wobei praktische, handlungsorientierte IADLInterventionen bislang weniger systematisch untersucht wurden.
Die Übersichtarbeit befasst sich mit Interventionen im häuslichen und gemeinwesensorientierten Kontext, die darauf abzielen, Jugendliche und Erwachsene mit SMI beim Erwerb oder bei der Verbesserung von IADLs zu unterstützten. Dabei wurde untersucht, inwieweit der Erwerb von Alltagsfertigkeiten zum Wohlbefinden beiträgt.
Zur Abbildung der Herausforderungen im Aktivitätsspektrum wurden die IADLs in einfache (grundlegende, routinemäßigen Aktivitäten), komplexe (anspruchsvolle Aufgaben mit höherem Anforderungsprofil) und freizeitbezogene IADLs unterschieden. Zur Analyse des Wohlbefindens wurde das fünfdimensionale Konzept von Schrank et al. (2013) herangezogen. Es unterscheidet (1) interne psychologische Zustände, (2) Handlungen und physische Zustände, (3) unmittelbare Umwelt- oder Beziehungsfaktoren, (4) gesellschaftliche und umweltbezogene Bedingungen sowie (5) Aspekte des Selbst und der persönlichen Identität.
Erklärungen der EBP-Fachbegriffe finden Sie im Glossar.
Weitere: ADL-Training, Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL/ATL), Aktivitäten (ICF), Aktivitäten und Teilhabe (ICF), Alltagsaktivitäten planen/organisieren, Alltagstransfer, ältere/alte/(hoch-)betagte Erwachsene, ambulant, ambulante Ergotherapie, ambulante Rehabilitation, ambulante Therapie, andere Intervention, Ausführung von Aktivitäten, Ausführung von Aktivitäten des täglichen Lebens, Autonomie, bipolare affektive Störung, Coping, Coping-Fertigkeiten, Coping-Strategien entwickeln/einsetzen, Depression, depressive Episode/Depression, emotionale Funktionen (ICF), emotionales Wohlbefinden, ergotherapeutische Interventionen, Ergotherapie, Ergotherapie zuhause, Erholung / Freizeit, Ernährung, Ernährungsumstellung, Erwachsene, Essens-/Mahlzeitenzubereitung/Kochen, Fertigkeiten entwickeln, Fertigkeitentraining, Freizeitaktivitäten, Freizeittherapie / Freizeitrehabilitation, gemeindenahe Ergotherapie, gemeindenahe Rehabilitation, Gemeinschafts-, soziales und staatsbürgerliches Leben (ICF), gemeinwesenorientiert / gemeindenah, Gesundheitskompetenz, Gesundheitsmanagement, Gesundheitsverhalten, Haushaltsführung, instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL), interdisziplinär, interprofessionell, Intervention zuhause, Jugendliche, junge Erwachsene, Kinder und Jugendliche, Kontextfaktoren, Körperfunktionen und -strukturen (ICF), Lebensqualität, Major Depression, Medikamentenmanagement, mentale Gesundheit, mentales Wohlbefinden, Mobilität, multidisziplinär, Online-Interventionen, Partizipation / Teilhabe (ICF), Peer-Beratung/Peer-Unterstützung, personbezogene Faktoren (ICF), persönliche Aktivitäten des täglichen Lebens (PADL), Produktivität, Psychiatrie/Psychosomatik/Sucht, psychiatrische Rehabilitation, psychische Erkrankung, psychische Gesundheit, psychisches Wohlergehen, psychosoziale Interventionen, psychosoziale Unterstützung, Regelung finanzieller Angelegenheiten, Resilienz, Rollen, Schizophrenie, schwere psychische Erkrankung, Selbstversorgung, Selbstversorgung (ICF), Selbstwirksamkeit, soziale Teilhabe, soziale Unterstützung, Standardversorgung, systematischer Review, Teilhabe am Gemeinschaftsleben / Teilhabe an der Gemeinde, Training von instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens, Transport, Umweltfaktoren, Wartelisten-Kontrollgruppe, Wohlbefinden, zielorientiert, zuhause lebend